Assuan - Felluka auf dem Nil

Assuan

Assuan - auf dem NilAssuan ist die mit Abstand schönste Stadt der hier beschriebenen Ägyptenreise. Obwohl sie in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere durch den Bau des Staudammes einen industriellen Aufschwung genommen hat, hat sie ihren lieblichen Charakter durch die bezaubernde Flusslandschaft am Nilkatarakt erhalten. Die heute vorwiegend für die Touristen verkehrenden Feluken mit ihren großen Segeln sind bei dem stets blauen Himmel, der trockenen und somit klaren Luft sowie dem Grün der Inseln und der schmalen fruchtbaren Uferzone eine Augenweide.

Der Gewürzmarkt von Assuan ist sehenswert - ein Einkauf bei entsprechendem Bedarf erfordert aber Sachkenntnis. Wer nur ein Schnäppchen machen will und die einzelnen Qualitäten nicht voneinander unterscheiden kann, hat beim unbedingt erforderlichen Handeln einen schweren Stand. Der Gewürzmarkt zieht sich nur ein kleines Stück weg von der Uferpromenade parallel zum Nil hin.

Eine besondere Spezialität in der Region ist der Hibiskusblütentee (Karkadeh), der warm, aber auch kalt getrunken wird und dann sehr erfrischend ist. In vielen Hotels bekommt man ihn an der Bar, eine gute Alternative zu einem alkoholhaltigen Aperitiv. Die roten Blätter sind auf dem Gewürzmarkt natürlich auch zu bekommen.Assuan - Bootsführer auf dem Nil

Bei dieser Gelegenheit ein Wort zu den vielgepriesenen lokalen Heilmitteln gegen Durchfall, den man beim geringsten Abweichen von der Devise: “koch es, schäl es oder vergiss es” zwangsläufig bekommt. Die hohe Wirksamkeit wird dem Fachmann bei der folgenden Auflistung sofort einleuchten:

Aus der lokalen ägyptischen Apotheke “etwas gegen Durchfall”

    Inhaltsstoffe:

      Diiodohydryquinoline 200mg
      Phthalylsulfatiazole 200 mg
      Streptomycinsulfate 100 mg
      Homatropinemethylbromide 2,5 mg

So etwas wird bei uns nur noch verordnet (!), wenn man kurz vor dem Exitus wegen Entwässerung steht. Zu Nebenwirkungen und Risiken sagte der Apotheker in Assuan eigentlich nichts...
 

Elephantine und Kitchener Island

Assuan - Nillandschaft von Elephantine Island

Zwei vom Charakter und Publikum ganz gegensätzliche Inseln kann man am besten auf einer ausgedehnten Feluke-Rundfahrt besuchen: Elephantine und die Kitchener Insel. Elephantine ist das Ziel der Bildungsbeflissenen: die Insel ist nachweislich bereits im 4. Jahrtausend vor Christus besiedelt worden und vermutlich der älteste besiedelte Teil des Gebietes um Assuan. Seit 1969 wird die Anlage sehr systematisch unter Leitung des Deutschen Archäologischen Instituts ausgegraben. Bei unserem Besuch (Febr. 02) war allerdings hierdurch die Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt und einige interessante Stellen konnten nicht besichtigt werden. Von einem neuen Aussichtsturm im Süden der Ausgrabungen hat man einen wundervollen Blick über das Flusstal und die Insel, dort ist auch das oben zu sehende Panorama entstanden.

Das kleine Museum auf der Insel hütete früher die Schätze, die heute sehr viel schöner im neuen Nubischen Museum in Luxor Stadt ausgestellt sind. Nun gibt es noch einige Überbleibsel, die nicht sehr ansprechend im ehemaligen Wohnhaus des “Erbauers” des ersten Assuan Staudammes, Sir William Willcocks untergebracht sind. Ein kleiner sehenswerter Anbau enthält Informationen speziell zu den Ausgrabungen auf der Insel Elephantine, wesentlich ansprechender als im Haupthaus präsentiert.

Gleich an der Anlegestelle ist auch ein Nilmesser zu sehen, eine Treppenanlage mit Höhenmaßangaben - je nach Nilstand wurde im Alten Ägypten die Steuer bemessen: hoher Nilstand bedeutete gute Ernte und damit hohe Steuern, niedriger Nilstand zur Zeit der Nilflut das Gegenteil..Assuan - Kitchener Island

Die Kitchener Insel wird zur Erholung und Entspannung von den Touristen, aber auch vielen Einheimischen aufgesucht (insbesondere Sonntags ist es ziemlich voll).

Die Kitchener Insel wird auch als botanischer Garten Assuans bezeichnet, sie hat ihren Namen nach einem englischen Gouverneur, Lord Kitchener - der genauso erfolgreich wie brutal gegen die damals im Sudan aufständischen Anhänger des Mahdi vorging.

Im relativ gepflegten Garten kann man die heißesten Stunden des Mittags unter diversen Palmenarten, exotischen Bäumen und neben farbenprächtigen anderen Pflanzen verbringen.

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Simeonskloster

Assuan - SimeonsklosterTeil des oben angesprochenen Feluka Ausflugs könnte ein Abstecher zum Simeonskloster werden. An der Bootsanlegestelle auf dem westlichen Nilufer warten die - vorreservierten - Kamele bereits für einen Ritt hinauf zum Kloster (ca. 20 min) und dann - im Anschluß - weiter zu den Felsengräbern von Assuan (ca. 45 min).

Das Simeonskloster ist ein längst verlassenes, aber verhältnismäßig gut erhaltenes koptisches Kloster. Es wurde im 7. Jhd gegründet und mehrmals erneuert und erweitert. Schließlich wurde es wegen den Problemen mit der Wasserversorgung (es hat keinen Brunnen) und häufiger Angriffe von Nomadenstämmen im 13. Jhd. aufgegeben.

Gut beschrieben sind die Überreste des Klosters im - leider vergriffenen - Standardführer von Brunner-Traut (Verlag Kohlhammer). Aber jede Landesbibliothek hat dieses Buch in der Ausleihe!
 

Felsengräber

Assuan - FelsengräberVom Simeonskloster erreicht man in ca. 45 min auf dem Kamel (endlich mal eine ernsthafte Beförderung von A nach B, bei der man durchaus ziemlich abseits einen ansehnlichen Weg zurücklegt) die Felsengräber von Assuan. Sie liegen - wie in Theben West - am Westufer des Nils und sind die Grabstätten von Fürsten aus dem Alten und Mittleren Reich. Die Rampen und Treppen, die vom Nil heraufführen dienten dazu, die Särge mit einer großen ZeremonAssuan - Simeonsklosterie zu den Felsengräbern hinauf zu ziehen.

Wir besichtigten unter anderem das Grab Sarenput II. aus der 12. Dynastie. Es zählt zu den großen und besterhaltensten Gräbern vor Ort. Sarenput II. Das Grab besteht aus einer großen Halle mit sechs symmetrischen nichtdekorierten Pfeilern. Im weiteren findet sich eine Gallerie mit jeweils 3 Nischen links und rechts, die Reliefs des Fürsten zeigen. Eine zweite kleinere Pfeilerhalle hat vier mit Motiven Sarenputs Säulen. Dahinter befindet sich eine Nische, in der das rechts zu sehende Bild aufgenommen wurde: Es zeigt Sarenput mit seinem Sohn und einem Teil seiner Biographie. Tatsächlich hatte doch ein Mitreisender in irgendeinem Ägyptischseminar genau dieses Motiv untersucht und konnte mehr oder weniger präzise die Hiroglyphen erläutern. Interessant insbesondere die angeblich seltene Hiroglyphe des Elefanten oben links.

Von hier aus geht es nun mit der Feluka weiter zu den oben beschriebenen Inseln Kitchener Island und Elephantine.

 

Der grosse Obelisk

Assuan - der große unvollendete ObeliskEinige Kilometer südlich von Assuan liegt einer der Steinbrüche, aus denen der berühmte Assuan Rosengranit stammt. Über Jahrhunderte wurden von hier Obelisken, Säulen und Statuen hergestellt, die im ganzen Land Verwendung fanden. Hunderte von Handwerkern müssen Monate damit beschäftigt gewesen sein, einen großen Obelisken aus dem Granit zu schlagen und ihn dann zu verfeinern.

Die Attraktion des Steinbruchs ist sicherlich der “Große Obelisk”, der noch unvollendet an seiner Geburtsstätte zu finden ist. Vermutlich haben mehrere Risse, die während der Bearbeitung weshalb auch immer auftraten, zu einem Abbruch der Arbeiten geführt. Teilweise ist der Obelisk bereits freigeschlagen und geglättet gewesen. Mit seiner Höhe von 41 m und einem Gewicht von 1168 t wäre er der größte bekannte Obelisk geworden.

 

Nubisches Museum

Assuan - Nubisches Museum, Ramses II.Das ganz neue (1997 fertiggestellte) Nubische Museum in Assuan besticht - wie auch das Luxor Museum - durch seine übersichtliche und regional begrenzte Darstellung ausgewählt interessanter bzw. schöner Exponate aus Oberägypten und Nubien.

Der Rundweg durch das Museum ist chronologisch gegliedert vom prähistorischen Nubien über das pharaonische Oberägypten in die griechisch-römische Zeit, gefolgt von Objekten aus der christlichen und islamischen Kultur Nubiens.

Eine Abteilung mit typischen kunsthandwerklichen Produkten und Produktionsweisen mit Dioramen bildet den Abschluß des interessanten Rundganges, der je nach Interesse 1-2 Stunden einnimmt.

Überall in Ägypten findet man Papyrus-Handwerksbetriebe, so auch in Assuan. Im Hotel sollte man sich die Adresse eines seriösen Betriebes nennen lassen. Auch wenn der Portier sicher seine Provision von dem empfohlenen Laden bekommt, er riskiert bei allzuviel Nepp doch am Ende sein Bakschisch...

 

Interaktive Panoramabilder


Nillandschaft bei Assuan

zum Panorama: Nillandschaft bei Assuan

Blick über die Elephantine Insel bei Assuan

zum Panorama: Elephantine Insel bei Assuan

Blick über den Nil bei Assuan

zum Panorama: Blick über den Nil bei Assuan

Blick über den Nil bei Isis Island

zum Panorama: Blick über den Nil beim Isis Island

Im Simeonskloster bei Assuan

zum Panorama: Beim Simeonskloster in der Nähe von Assuan

 

Weiterführendes


TourEgypt.net - Karte von Assuan
TourEgypt.net -
Karte der Umgebung von Assuan

Jörg Müller - Qubbet el-Hawa, die Felsengräber von Assuan: Sehr umfassende Beschreibung der Felsengräber in deutscher Sprache. Die Inschriften mehrerer Gräber sind übersetzt..

TourEgypt.net - Das Nubische Museum in Assuan, eine Rundtour in Bildern durch das Nubische Museum

Selket.de - Interessantes über den Papyrus

 

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